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ErbStG - Vermögensbewertung

Änderung des Bewertungsrechts

Die Reform der Erbschaftsteuer machte auch eine Reform des Bewertungsrechts notwendig, um alle Vermögensarten annähernd gleich zu bewerten. Der neue Maßstab dafür ist der "gemeine Wert" oder auch "Verkehrswert" genannt. Hier sind die wichtigsten Informationen, die sich im Rahmen der Erbschaft- und Schenkungsteuer kennen sollten:
 

GRUNDVERMÖGEN §§ 176-187 BewG


Das Gesetz zur Reform des Erbschafts- und Schenkungsteuerrechts sieht für das Grundvermögen folgende neue Bewertungen vor:

Unbebaute Grundstücke werden mit dem Bodenrichtwert (ohne Berücksichtigung des derzeitigen 20%igen Abschlags) angesetzt.

Bebaute Grundstücke werden mit dem Verkehrswert bzw. gemeinen Wert angesetzt. Dazu wird es eine Rechtsverordnung geben, die die Einzelheiten regelt. Die drei Verfahren zur Ermittlung des gemeinen Wertes sind:

  • Vergleichswertverfahren (für Wohungseigentum, Teileigentum und Ein- und Zweifamilienhäuser): Der Wert wird aus tatsächlich realisierten Kaufpreisen anderer, verkaufter Grundstücke in gleicher Lage, Nutzung, Bodenbeschaffenheit, Zuschnitt und sonstiger Beschaffenheit zu dem zu vergleichenden Grundstück übernommen. Gegebenenfalls sind Schätzungen erforderlich.
  • Ertragswertverfahren (für Mietwohngrundstücke, Geschäftsgrundstücke und gemischt genutzte Grundstücke): Der Wert wird gebildet auf der Grundlage des für diese Grundstücke nachhaltig erzielbaren Ertrags zuzüglich dem Bodenrichtwert für das unbebaute Grundstück.
  • Sachwertverfahren (wenn keine Vergleichswerte vorliegen und eine übliche Miete nicht zu ermitteln ist): Die Wertermittlung erfolgt auf Grundlage des Bodenrichtwerts und der Summe der Herstellungskosten.


Bei Erbbaurechtsbelastungen werden gesonderte Berechnungen angestellt. Ein Nachweis des Steuerpflichtigen aus einem Gutachten soll vorrangig berücksichtigt werden, wenn damit nachgewiesen werden kann, dass der gemeine Wert im Besteuerungszeitpunkt niedriger ist als der nach den vorgenannten Bewertungsverfahren ermittelte Verkehrswert.

 
 
 

LAND- und FORSTWIRTSCHAFTLICHES VERMÖGEN §§ 158-175 BewG

Grundsätzlich wird die Bewertung des gemeinen Wertes durch ein typisierendes Verfahren erfolgen, das sich an der Fortführung des Betriebes orientiert (modifizierter Verkehrswert). Daneben soll das Reinvermögen, also nach Abzug der Schulden, angesetzt werden. Als Mindestwert für den land- und forstwirtschaftlichen Betrieb soll die regional übliche mit 5,5% kapitalisierte Netto-Pacht für den Grund und Boden angesetzt werden. Hilfsweise soll der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr durchschnittlich erzielbare Bodenwert pro Hektar zugrunde gelegt werden.

 
 
 

BETRIEBSVERMÖGEN § 11 Abs. 2, § 95, § 109 BewG

Einzelunternehmen, Freiberufler und Anteile an Personengesellschaften werden künftig nicht mehr nach den Steuerbilanzwerten, sondern nach dem gemeinen Wert bewertet. Dieser ermittelt sich in erster Linie aus den Verkäufen unter fremden Dritten, die weniger als ein Jahr zurückliegen. Gibt es keine zeitnahen Verkäufe, ist der gemeine Wert unter Berücksichtigung der Ertragsaussichten oder einer vergleichbaren anerkannten Methode zu schätzen. Den Mindestwert soll die Summe der gemeinen Werte aller Wirtschaftsgüter abzüglich Schulden bilden.

 
Die Berechnung des vereinfachten Ertragswertverfahrens lautet wie folgt:
 

NACHHALTIG ERZIELBARER JAHRESERTRAG (1) x KAPITALISIERUNGSFAKTOR (2) = ERTRAGSWERT (aber mindestens Substanzwert des Betriebs)

 
(1) Durchschnittsertrag aus den Betriebsergebnissen der letzten drei Jahre vor dem Bewertungsstichtag, +/- Gewinnkorrekturen, - 30% Abschlag vom korrigierten Gewinn
(2) 1 : Kapitalisierungszinssatz -Kehrwert des Kapitalisierungszinssatz- (Kapitalisierungszinssatz = Basiszinssatz + Zuschlag 4,5%) (Basiszinssatz für 2009 = 3,61% gem. BMF-Schreiben vom 07.01.2009 zu § 203 Abs. 2 BewG). Daraus ergibt sich für 2009 ein Kapitalisierungsfaktor von 12,33.
 
 

ANTEILE an KAPITALGESELLSCHAFTEN und SONSTIGES VERMÖGEN

Auch die Beteiligungen an Kapitalgesellschaften und das sonstige Vermögen (z.B. Renten, Geldforderungen, Schmuckgegenstände etc.) werden mit dem gemeinen Wert bzw. dem Verkehrswert gem. §§ 1-16 BewG angesetzt. Bei den Beteiligungen ist es in der Regel der Börsenkurs. Bei nicht notierten Anteilen ist der Wert wie beim Betriebsvermögen zu ermitteln bzw. zu schätzen.
 
 

Hinweis: Bei Lebensversicherungen fällt die 2/3-Regelung nach den neuen Vorschriften weg.

 
 
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